Skoda Octavia RS iV (2021): Sportlich dank Plug-in Hybrid

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Vorweg, der neue Skoda Octavia RS iV kommt sportlich ums Eck. Er ist ein Hidden Champion wenn es um alltagstaugliche Sportler geht. Der Tscheche hat ja schließlich auch Rallye-Gene in sich – aber kann er das als Plug-in Hybrid wirklich zeigen? Statusdenken ist im Octavia RS jedenfalls fehl am Platz – man hat ja schließlich keinen Audi A4 unterm Popometer. Dafür hat man es bei der Bestellung und der Aufpreisliste recht einfach: „Einmal alles zum Mitnehmen, bitte!“ Bei der Konkurrenz aus Ingolstadt fällt dieser Satz vermutlich etwas schwerer. Beim ersten Einsteigen haben wir uns jedenfalls ins Innere des Skoda Octavia RS iV verguckt.


Man steigt ein und fühlt sich wohl. Das Amarturenbrett mit Mikrofaser bezogen und roten Ziernähten versehen macht richtig was her. Die Sportsitze – toll im Rautenmuster gesteppt und einer Kunstleder „Zierleiste“ in Carbon-Optik – Klasse. Elektrisch verstellbar in Höhe, Länge und Neigung sind diese ebenfalls – nur leider nicht in der Breite. Bei allzu wilder Gangart fehlt es etwas an Seitenhalt. (Wir jammern aber auch schon auf hohem Niveau)

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Skoda Octavia RS iV Fahrbericht AUTOmativ.de Stefan Emmerich
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Skoda Octavia RS iV Fahrbericht AUTOmativ.de Stefan Emmerich

Touch, Touch, Touch – wer hat die Tasten gesehen?!

Ist es denn Modern wenn alles nur noch mit sanften Wisch und Stupps Bewegungen funktioniert? Gemäß Straßenverkehrsordnung ist das Tippen und Touchen auf dem Smartphone während der Fahrt verboten – auch dann, wenn es ungefähr auf der Höhe der heutigen Multimediadisplays montiert ist! Wo aber ist dann genau hier der Unterschied? Im Skoda Octavia RS iV sitzt anstatt des Smartphones eben ein 10-Zoll Display…

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Skoda Octavia RS iV 10-Zoll Touchdisplay

Egal – optisch machen die digitalen Kombianzeigen und das Menü einen gewohnt guten Eindruck, kommt es einem doch aus den diversen Wolfsburger Geschwistern bekannt vor. Einzig die Menüführung ist am Anfang gewöhnungsbedürftig. Man findet eben nicht gleich alles auf Anhieb und wundert sich dann doch über manchen Menüpunkt – Shop?! Gibt’s jetzt auch In-App Käufe in einem Auto?

Dann hätten wir gerne Mehrleistung und weniger Gewicht…

Der Elektrodampfhammer im Skoda Octavia RS iV

…Schade, das bleibt leider aus. Unter der Haube arbeiten alte Bekannte. Der 1,4-Liter-TSI-Vierzylinder-Benziner ist aus dem Jahr 2007 und hat schon diverse Golf angetrieben. Mit seinen 150 PS (110 kW) wird er alleine dem Kürzel RS nicht gerecht.

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Im Skoda Octavia RS iV bekommt er den aus VW Golf GTE , Cupra Leon e-Hybrid und dem Audi A3 45 TFSIe bekannten 85 kW (115 PS) starken Elektromotor an seine Seite. Damit hat der Skoda Octavia RS iV 245 PS Systemleistung – genauso viel also wie sein 2,0 Liter Turbobenziner befeuerter Bruder oder eben der VW Golf GTI.

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Also los, Zündung an, Wählhebel auf D – Blick Richtung digitalem Drehzahlmesser … ah, unten links ganz klein steht es: READY. Lautlos geht’s aus der Parklücke. Elektrisch fahren ist immer wieder toll, man rollt praktisch mit 50 Sachen durch den Ort und beim Druck auf’s Pedal spürt man die Sportlichkeit eines E-Motors.

Wenn man aber weiter so rücksichtslos mit dem Batteriemanagement umgeht, ist der lautlose Spaß beim Skoda Octavia RS iV ganz schnell vorbei. 13 kWh reichen bei gaaanz sanfter Fahrt laut Prospekt und WLTP-Norm für 62 Kilometer. Niemals haben wir das geschafft, auch nicht bei vorsichtiger Fahrt – bei uns war nach rund 40 Kilometer Schicht im Schacht.

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Für die Fahrt in’s Büro und zurück reicht es gerade so. Zwischendurch geht’s bergab, denn hier nutzt man die Rekuperation. Für längere Strecken gibt es ja zum Glück noch einen Benzinmotor. Aus Umweltsicht ist das Aufladen der Batterie bei längerer Fahrt mittels 1,4 TSI Benziner absolut rücksichtslos. Hier schnellt der Verbrauch schnell über die Schallmauer der 10 Liter pro 100 km – ohne dass man einen Bleifuß hat.

Rally-Sport und der Sound eines 5,0 Liter V8

Drückt man während oder vor der Fahrt den Wählhebel nochmals entschieden nach hinten, schaltet sich sofort der Benzinmotor dazu und man hat die volle Leistung von 245 PS. Obendrein gibt es einen schon fast ohrenbetäubenden V8 Sound von vorne. Wo kommt der denn her?! Na klar, aus dem Soundlabor. Wir haben nichts gegen Sound – nur sollte er passen und auch nicht das Gespräch der Mitfahrerenden unterbrechen.

Kurzer Stop, wildes Wühlen im Touchmenü – und siehe da: Wir haben uns unseren eigenen Fahrmodus kreiiert. Volle Power, ohne wildes möchtegern-Big-Block-Geblubber.

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Skoda kombiniert im Octavia RS iV einen 1,4 Liter großen TSI-Benzinmotor mit 110 kW (150 PS) und einen 85-kW-Elektromotor. Gemeinsam stellen sie eine Systemleistung von 180 kW (245 PS) zur Verfügung, das maximale Drehmoment von 400 Nm wird über ein 6-Gang-DSG an die Vorderräder übertragen.

Wieder zurück auf der Straße merkt man es ihm einfach an, so ein Akku hat Gewicht. Sportlich abgestimmt ist er, das DSG arbeitet schön, das Fahrwerk ist straff und die Lenkung direkt aber so richtig vom Fleck kommt er nicht. Er schleppt ja auch mehr als 200 Kilogramm gegenüber dem 2,0 TSI mit sich rum. Der Verbrauch bei wilder Fahrt hat nichts mit den 1,5 Litern Benzinverbrauch und 11,4 kWh Stromverbrauch je 100 Kilometer zu tun, die angegeben sind. Im Alltag orientiert man sich eher Richtung sechs Liter pro 100 km. Vorraussetzung: Der regelmäßge Stop an der Ladesäule. Nach 3,5 Stunden sind aber dann auch die 100 Prozent Ladezustand erreicht.

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Der Skoda Octavia RS iV sieht sportlich aus – fast…

Wäre da nicht das Thema Bodenfreiheit, er steht wie auf Stelzen. Da können auch die schönen 18-Zoll Felgen nichts ausrichten. Denn der Octavia RS iV darf aufgrund des Akkus im Boden nicht tiefergelegt werden, bleibt deshalb auf Normalhöhe. Schon krass wie 15 Milimeter mehr oder weniger von der Seite den guten Eindruck von vorn oder hinten vernichten.

Breite Front, LED-Scheinwerfer, Air Curtains und ein Kontrast in schwarz und weiß – ziemlich gelungen. Am Heck eine aufgesetzte Spoilerlippe, breite Endrohre und die tollen Rücklichter unter anderem aus dem Skoda Scala.

Die Optik des Skoda Octavia RS iV ist aber alles in allem durchaus gelungen und passend. RS-Design eben.

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Zum Schluss noch kurz das Thema Kosten – wir hatten ja zu Beginn schon den Vergleich zu Audi A4 gezogen.
Grundpreis unseres Testwagens waren 43.500 Euro. Ein kurzer Blick nach Ingolstadt – hier gibt es entweder einen Audi A3 oder gleich einen Audi A6 als Plug-in Hybrid. Kurz gesagt, der Audi A3 S line 45 TFSI e hat nach zwei Klicks im Konfigurator die äußere Optik unseres RS und die gleiche Leistung unter der Haube. Kostenpunkt, jetzt schon 42.100 Euro. Den fehlenden Platz lassen wir jetzt einfach mal außen vor.

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Die Aufpreisliste bei Skoda einmal durchgegangen – 52.180 Euro. So teuer war unser Testwagen wirklich. Wir hatten dafür aber auch alles drin. Head-Up Display, Lenkradheizung, Memoryfunktion der Sitze, Sitzheizung vorne und hinten, Canton Soundsystem, Abstandsregeltempomat, automatische Schildererkennung etc. pp. (Beim Audi A3 haben wir nur die Optik und Sitze entsprechend konfiguriert und haben unseren Skoda Octavia RS im Preis bereits eingeholt – Head-Up, Tempomat und Co. kommen da noch dazu.)

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Ordentliches Fazit am Ende – der Skoda Octavia RS iV überzeugt

Allerdings nicht im ursprünglichen Sinne, denn sportlicher ist der 2,0 Liter Turbobenziner. Als sportliches Alltagsauto ist er genau der Richtige. Komfortabel, effizient und preisgünstig. Ein toller Begleiter auf dem Weg zur Arbeit oder am Wochenende zur Familie – der auch mal etwas flotter kann. Für alle die einen Landstraßenräuber suchen ist er nichts.

Bewertung Skoda Octavia RS iV (2021)
Optischer Eindruck+++Octavia RS Combi mit klareren und schärferen Kanten, auch überzeugenderer Einsatz von LED-Elementen sowie ein offensiveres Frontdesign, Karosserie optisch zu hoch, Heckansicht hochbeinig und schmal
Qualität Karosserie+++++Sehr gute Verarbeitung und Anmutung, Spaltmaße gering und gleichmäßig
Lackqualität Karosserie++++Hochwertige Lackierung mit gutem Finish
Qualität im Interieur++++Gute Verarbeitung, ordentliche Materialien
Sitzkomfort Cockpit++++Sportliche Sitzposition
Sitzkomfort Fonds++++Viel Platz im Fond, ordentliche Sitzposition, gute Übersicht
Digitales Bedienkonzept++++Hohe Auflösung der Kameras und des Displays, gute Bedienung, verständlich, einfach
Raumangebot (bezogen auf das Segment)++++Gutes Raumgefühl, ordentlicher Kofferraum
Innenraumgeräusch / Dämmung+++++Niedrige Abroll- und Windgeräusche, hohe Stabilität
Lenkung+++Wenig Rückmeldung in der Lenkung, zu wenig Widerstand beim Octavia RS
Spurtreue++++In Ordnung
Fahrwerk++++Gut abgestimmtes Fahrwerk, perfekt für die Langstrecke, immer noch straff und sportlich, aber nicht unangenehm, variable Dämpfereinheiten
Motor+++Antriebsstrang schwächer als vermutet, bringt die Kraft nicht immer auf die Straße, Motor dreht nicht gerne, wird laut bei hohen Drehzahlen
Getriebeabstimmung++++Doppelkupplungsgetriebe schaltet präzise, keine Anfahrschwäche
Innovation++++Gut funktionierende Assistenz- und Komfortsysteme, gute Bedienung, hochauflösende Displays
Preis+++Gutes Gesamtpaket
Gesamteindruck++++
 +++++ = Maximum

Stefan Emmerich

Um über Automobile zu schreiben, ist es keine zwingende Voraussetzung, sich von Klein auf dafür zu interessieren. Doch bei Stefan Emmerich war das eben so. Sein Technisches Studium - Automobil-affin - ergänzt sein großes Interesse an Mobilien jeglicher Art und weiß die Bedeutung hinsichtlich Neuheiten und ihrer Details zu beurteilen.

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