Neuer Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec im Test: Alibi-Auto oder doch mehr?

96e778f9ff0e423fb98ec94f86f16576 - Neuer Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec im Test: Alibi-Auto oder doch mehr?

Der neue Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec Ambition fristet ein einsames Dasein. Der VW-Konzern ist so ziemlich der einzige Hersteller, der noch Fahrzeuge mit Erdgasmotoren herstellt – im aktuellen Fall den neuen Skoda Scala. Schade, jedoch auch kein Wunder, gibt es aktuell noch 853 CNG Tankstellen in Deutschland – Tendenz sinkend. Ist der Skoda Scala mit seinem 1.0 TGI Motor dann nur ein Alibi für den Flottenverbrauch des Konzerns? Mit einem CO2-Ausstoß von 94 g/km ist er jedenfalls durchaus als umweltfreundlich einzustufen.


Galerie: Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec

Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec
Bild 1 von 18

Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec

Klammert man nun mal die Unterstellung ein Alibi zu sein aus, hinterlässt der neue Skoda Scala bei uns durchaus einen guten Eindruck. Unser Testwagen war ein Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec Ambition mit ein paar kleinen Extras. Der Grundpreis des umweltfreundlichen Scala liegt bei 22.200 Euro.

Nimmt man nochmal gut 6.000 Euro mehr in die Hand, erhält man unseren Testwagen. Qualität und Ausstattung sind aber auch bei der Basis – typisch Skoda – gewohnt sehr gut.

Der Antrieb – im Skoda Scala 1.0 TGI G-TEC

CNG (Compressed Natural Gas) ist gut, Biomethan wäre besser. So viel zum Alibi – wenn man was für die Umwelt tun möchte, dann sollte die Infrastruktur mitziehen und dann nach Möglichkeit Biogas getankt werden.

Aber eine reine Biogastankstelle zu finden ist wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen: Wir hatten in unserem Redationsumfeld von Stuttgart genau sieben Tankstellen in einem Radius von 20 Kilometern. Keine davon, die Biogas anbot. Die nächstgelegene war knapp 10 Kilometer von unserem Redaktionssitz in Leonberg entfernt – und leider defekt. Schade, denn die Idee und Technologie ist top. Wir sind ja durchaus CNG-Fans und haben schon das ein oder andere Auto mit Erdgas begeistert bewegt.

Der 1,0 Liter Dreizylinder Otto leistet 66 kW/ 90 PS und damit etwas weniger als der reine Benziner (95 PS) oder Diesel (115 PS). Auch das Drehmoment ist etwas niedriger. Für den täglichen Weg zur Arbeit und zum Einkaufen reicht es aber allemal.

Längere Strecken auf der Autobahn machen aber aufgrund der niedrigen Leistung nur wenig Spaß – geht aber auch! Vor allem mit Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent und dem manuellen Sechsgang Getriebe an Bord kann man recht entspannt dahingleiten. Bis auf das Sechsgang-Getriebe ist alles optional.

Lohnt sich der Skoda Scala G-Tec?

Ja, grundsätzlich schon. Versucht man möglichst sparsam zu fahren und häufig nur mit CNG, dann lohnt sich der Skoda Scala schon allein deshalb, weil man ohne Einbußen von Flexibilität mobil ist und weniger CO2-Emissionen verursacht, als bei einem Benziner oder Diesel.

Beitrag 750x450 - Neuer Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec im Test: Alibi-Auto oder doch mehr?
Was auffällig störend ist, ist die Motorhaube. Sie ist gefühlt so schwer, wie das gesamte restliche Auto. 1.310 Kilogramm wiegt der Skoda Scala G-Tec.

Den angegebenen Werksverbrauch von 3,4 kg CNG/100km haben wir aber beim besten Willen nicht geschafft. Auf der Autobahn haben wir 4,2 kg CNG /100 km laut Bordcomputer gebraucht. Der gesamte Testdurchschnitt lag bei 5,0 kg/100km.

Als „Range Extender“ hat der Skoda Scala G-Tec noch einen kleinen Bezintank. Damit kommt man bei sparsamer Fahrweise rund 100 Kilometer weit. Das sollte normalweise bis zur nächsten Erdgas Tankstelle reichen. Im Testzeitraum haben wir die Benzinreserve jedoch bei keiner Fahrt gebraucht. Die längste Fahrt war 296 km lang und es hat uns mit den letzten Gramm Gas bis zur Tankstelle gereicht (die CNG Tankanzeige und die kalkulierte Reichweite sagten uns schon einige Zeit, das kein Gas mehr im Tank ist).

An der Tankstelle kann man dann den finanziellen Vorteil errechnen. Wir haben für 1,06 Euro das Kilogramm CNG erstanden, zur gleichen Zeit hätte der Liter Super E10 1,20 Euro gekostet. Berechnen kann man das, mit dem Mehrpreis des Skoda Scala G-Tec von 1.250 Euro gegenüber der Benzinvariante und der Differenz der Treibstoffkosten. Nach rund 40.000 Kilometern Fahrleistung fängt man an mit dem Skoda Scala G-Tec Geld zu sparen.

Auf Basis des VW Polo – nur größer

Ja, der Skoda Scala ist auf der MQB A0 Basis entstanden und damit eigentlich ein Seat Ibiza oder ein VW Polo. Streckt man die Basis auf 4,36 Meter, passt ein Fünftürer mit ordentlich Beinfreiheit und Kofferraum drauf. Obwohl der Kofferraum in der Erdgas Variante tatsächlich kleiner ist als bei Benziner oder Diesel.

Klar – die Gastanks sind etwas ausladender als ein schnöder Kraftstofftank und daher werden diese in der nichtvorhandenen Reserverad-Mulde untergebracht. Der Platz reicht aber nicht ganz aus – daher schrumpft das Kofferraumvolumen von 467 auf 339 Liter.

Beitrag2 750x450 - Neuer Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec im Test: Alibi-Auto oder doch mehr?
Klassisch Skoda, der gut integrierte Schirm in der Verkleidung der Fahrertür.

Die Sportsitze – bekannt zum Beispiel aus dem Skoda Oktavia RS oder dem Skoda Kodiaq RS – sind gewohnt spitze, allerdings im Skoda Scala etwas fehl am Platz. So sportlich ist er schließlich nicht. Das große Panorama Glasdach – ebenfalls optional im Paket mit LED Scheinwerfern (1.400 Euro) – verleiht dem Innenraum ein tolles Ambiente und Raumgefühl. Der „kleine“ Scala wirkt dann gleich noch größer.

Unterm Strich ist der Skoda Scala G-Tec ein Auto für die heutige Zeit

Der Skoda Scala G-Tec passt voll in die heutige Zeit. Mit Biomethan fährt man ökologisch und dank kleinem Benzintank hat man keinerlei Reichweitenprobleme. Für den alltäglichen Gebrauch sollte man sich über die eigenen Ansprüche im Klaren sein und fragen: was brauche ich wirklich?

Denn der Skoda Scala 1.0 TGI G-Tec ist durchaus ausreichend motorisiert, nicht übermäßig voluminös aber für einen Einkauf einer Familie oder die Fahrt ins lange Wochenende ist genug Platz vorhanden. Man bekommt einen Kompaktwagen auf Kleinwagenbasis mit guter Qualität – typisch Skoda.

Einzig die sinkende Zahl an Tankstellen, das Konzernversprechen, nach der aktuellen Generation von Erdgasfahrzeugen keine weiteren mehr zu bauen und die 2026 endenden Subventionen für den Kraftstoff, trüben das Bild.

Digital ist der Skoda Scala auch auf der Höhe der Zeit. Apple Carplay und Android Auto sind selbstverständlich mit an Bord. Genauso wie zwei USB-C-Anschlüsse und die Möglichkeit zum induktiven Laden.

 Bewertung Skoda Scala G-Tec (2020)
 Optischer Eindruck ++
 Qualität Karosserie ++++
 Lackqualität Karosserie ++++
 Qualität im Interieur ++++
 Sitzkomfort Cockpit ++++
 Sitzkomfort Fonds +++
 Digitales Bedienkonzept ++++
 Raumangebot +++
 Innenraumgeräusch / Dämmung ++++
 Lenkung +++
 Spurtreue ++++
 Fahrwerk +++
 Motor +++
 Getriebeabstimmung ++++
 Innovation ++++
 Preis ++++
 Gesamteindruck ++++
 +++++ = Maximum

Stefan Emmerich

Um über Automobile zu schreiben, ist es keine zwingende Voraussetzung, sich von Klein auf dafür zu interessieren. Doch bei Stefan Emmerich war das eben so. Sein Technisches Studium - Automobil-affin - ergänzt sein großes Interesse an Mobilien jeglicher Art und weiß die Bedeutung hinsichtlich Neuheiten und ihrer Details zu beurteilen.

AUTOmativ.de verwendet Cookies, um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen