Abarth 500e: Ein elektrischer Versuch

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Seit Wochen geisterten Bilder des giftgrünen Abarth 500e im Internet und auf den Social Media Plattformen herum. Einige Abarth-Fans bekamen dabei schon Schnappatmung angesichts der Optik sowie des rein elektrischen Konzepts. Was allerdings FCA/Stellantis heute in Turin vorgestellt hat, lässt uns auch die Luft anhalten: Der Abarth 500e sieht aus wie ein Fiat 500e mit Baggy Jeans und kommt mit einem Soundgenerator, der den Klang des Abarth Verbrenner-Motors reproduzieren soll. Ja, richtig gelesen: Aus der Büchse kommt zukünftig der Motorsound. Ich entschuldige mich im Voraus für meine Wortwahl, aber ich kann es nicht anders sagen: Wir sind sowas von am Arsch.

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Die Seitenansicht des Abarth 500e unterscheidet sich kaum von der eines konventionell angetriebenen Abarth 500.

Die DNA von Abarth

Was hatten wir für einen Spaß mit den Abarth 595, Abarth 695 – ja und selbst mit den Abarth 500 Modellen! Start-Knopf gedrückt und der Klang der – im besten Fall – Akrapovic-Abgasanlage wummerte wie bei einem V8. Erst in den oberen Drehzahlen merkte man aufgrund des Dröhnens, dass der Hubraum dann doch deutlich unter 2 Liter war. Aber das machte nichts, denn der Sound in Kombination mit ordentlich Backfire beim Herunterschalten zauberte jedem Passagier ein ewiges Dauergrinsen ins Gesicht. Und das obwohl kein Abarth 695 oder 595 jemals wirklich schneller war als ein Polo GTI (außer die biposto-Version natürlich).

Motorsound: Ja, das ist von Beginn an eines der wesentlichen Merkmale der DNA der italienischen Renn- und Tuningschmiede, die früher übrigens auch mal Porsche-Rennwagen schneller machte.

Weiteres DNA-Element: Wenig Gewicht. Die kleinen Fiat und Abarth Rennwagen hatten – ähnlich wie bei Porsche – oft den Vorteil ihres geringen Eigengewichts. Dadurch konnten Sie nicht nur „schneller um’s Eck“, sondern waren in der Lage mit weniger Leistung effizienter (verbrauchsärmer) zu fahren – bei gleichem oder höherem Tempo. Diese Philosophie hat die Marke Abarth bis heute geprägt.

Wiegen die Abarth 595 und 695 um die 1.000 Kilogramm, sind wir beim Abarth 500e mit seiner 42 kWh großen Batterie und der E-Maschine sowie den Wandler- und Ladekomponenten deutlich darüber. Eine offiziell bestätigte Gewichtsangabe für den Abarth 500e steht noch aus, aber man kann sich am Fiat 500e orientieren, der rund 1.300 Kilogramm (je nach Ausstattung auch mal weniger oder auch mal mehr) wiegt.

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Wahrscheinlich deutlich schwerer – rund 300 Kilogramm – als ein Abarth 595 oder 695 – immerhin haben die Italiener auch der elektrischen Abarth-Variante hinten Scheibenbremsen – und keine Trommeln – gegeben.

300 Kilogramm also, die ein Abarth 500e jetzt mehr auf den Achsen hat als ein Abarth 595. Und das bei der kleinen und flinken, ehemals „leichten Knutschkugel“. Es wird interessant werden, wie gut die Ingenieure das Gewicht kaschieren konnten – oder auch nicht. Jedenfalls bedeutet höheres Gewicht – gerade in der Klasse der Kleinstwagen – auch eine geringere Gesamteffizienz, weil mehr Gewicht von A nach B gebracht werden muss.

Dennoch: Willkommen in der Neuzeit. Auch wenn Abarth sich immer mit dem Marketing-Claim im Zusammenhang mit dem Wording „Rebell“ und „rebellisch“ präsentiert(e), haben sich die Italiener zumindest teilweise dem gesellschaftlichen Konsens gebeugt und den Grundstein für die elektrische Zukunft der Marke gelegt.

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Das Interieur sieht sportlich-schick aus. Die Bilder vermitteln den Eindruck, als wäre es wertiger als das Interieur der Verbrenner-Brüder. Vor allem das Lenkrad schaut griffig aus.

Ein Soundgenerator für den typischen Abarth-Sound?

Die Tatsache, dass nun auch Abarth elektrisch werden soll kann man jetzt als sehr innovativ oder auch komplett daneben beurteilen. Andererseits – und das gehört zur Wahrheit auch dazu: Es gibt keine andere Wahl. Also müssen wir uns, ob kurz oder lang, wohl damit arrangieren – wenn wir nicht bei den aktuellen Modellen stehen bleiben wollen (was auch eine Option wäre, denn die laufen glücklicherweise noch eine Zeit lang parallel weiter).

So, Sound: In der Pressemitteilung steht:

Sogar das AVAS (Acoustic Vehicle Alert System) erhält einen spezifischen „Jingle“. Es ist ein „Sound“, der den neuen Abarth 500e von anderen Elektroautos unterscheidet. Wenn man zum ersten Mal die Marke von 20 km/h überschreitet, spiegelt ein Gitarresound die unkonventionelle Seele wider, die jedem Auto mit dem Skorpion-Logo innewohnt.

Pressemitteilung FCA/Stellantis zum Abarth 500e

Ein Gitarrensound. Aha. Ich wusste bislang nicht, dass Abarth-Autos einen Gitarrensound gemacht haben. Für mich klang das eher wie ein Motor mit einer guten Abgasanlage. Aber es geht weiter:

Der Sound Generator soll als Alternative zum Standard-Klangerlebnis angeboten werden und mit einem AVAS kommen, das an den Sound eines Benzinmotors erinnert.

Pressemitteilung FCA/Stellantis zum Abarth 500e

Also man kann sich entscheiden zwischen „Gitarren-“ und „Auto-Sound“. Es gibt im Innenraum noch mehr Gitarre, hier:

Wenn der neue Abarth 500e mit dem Soundgenerator ausgestattet ist, lässt das Key-On-Off-System außerdem jedes Mal, wenn das Auto ein- oder ausgeschaltet wird, eine Gitarre im Innenraum ertönen. Wenn das Fahrzeug steht, kann der Soundgenerator nach Belieben deaktiviert werden.

Pressemitteilung FCA/Stellantis zum Abarth 500e

Ob Abarth damit den richtigen Weg eingeschlagen hat? Einen Motoren-/Abgasanlagensound zu imitieren – mit einem Lautsprecher – und das bei einem Auto, das oft nur aufgrund seines Klangbildes gekauft wurde? Ich hätte mir hier mehr Kreativität gewünscht. Wenn man schon in die Zukunft gerichtete Autos baut, dann nicht mit Imitationsversuchen der Vergangenheit.

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113 kW Leistung – und 85 kW Ladeleistung

Auch an diese Zahlen müssen wir uns gewöhnen: kW-Angaben. Was beim Abarth 595 noch PS waren sind beim neuen Abarth 500e kW. In dieser Leistungseinheit verfügt der Elektro-500er über 113 kW (155 PS) und 235 Nm Drehmoment. Innerhalb von 7 Sekunden soll es aus dem Stand auf 100 Km/h in 7 Sekunden gehen. Das ist ungefähr vergleichbar mit den Benziner-Brüdern.

Der neue Abarth 500e ist mit einer 42-kWh-Batterie ausgestattet. Drei exklusive Fahrmodi stehen zur Verfügung, die sich auf Leistung konzentrieren – Turismo, Scorpion Street und Scorpion Track.

Na? Keine Lust auf Elektro-Abarth? Dann holen Sie sich einen richtigen Abarth 😉

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 32 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.