Erste Sitzprobe neuer Audi Q3 (2018): Von der Gehhilfe zum Lifestyler

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Was für ein stackseliges, unförmiges und unattraktives Ding, dieser Audi Q3! Bislang traf dieser Satz eben einfach zu. Denn diente der neue Audi Q3 bisher eher als Gehhilfe für Senioren, ist er ab sofort ein attraktiver Weggefährte für alle Generationen mit Stil. Nach dem modernisierten und bildschönen Audi Q8 betritt nun er als nächster – zumindest im Statischen – gelungener Wurf die Bühne. Eine erste Sitzprobe im neuen Midsize-SUV der Ingolstädter, der im Herbst beim Händler steht!


Mehr Breite, Länge und weniger Höhe

Alles wird sportlicher – so auch die SUV und Midsize-SUV. In aller Munde heutzutage, weil praktisch. Cool. Ich bin kein SUV-Fan – mal sehen, wann ich das werde. Und ich habe den Audi Q3 noch weniger gemocht, als die Tatsache, dass es SUV überhaupt gibt. Furchtbar stackseliges Ei auf vier Rädern. Krankheit könnte man es nennen. Das Heckdesign war eine Katastrophe, die Front- und Seitenlinie so unförmig wie eine Kartoffel nach einer Achterbahnfahrt. Doch jetzt wird alles anders:

Galerie: Audi Q3 (2018)

Audi Q3 (2018)
Bild 1 von 19

Der neue Audi Q3 war trainieren und kommt direkt aus dem Fitnessstudio in eine stillgelegte Eisenbahn-Werkstatthalle. In Turboblau steht er vor mir, wird partiell durch Photonen aus den völlig vergilbten und verstaubten Milchglas-Dachfenstern getroffen. Die Farbe ist eine Wucht. Sie zeigt das Selbstbewusstsein unserer heutigen Generation – und des Lebensstils. Stark.

In Silber schaut der neue Audi Q3 auch gut aus. In ein paar Jahren wird man ihn auch als etwas konservativ und langweilig beschreiben, jetzt passt er aber in das Stadtbild - ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Gut, ihm fehlt auch das s-line Paket.
In Silber schaut der neue Audi Q3 auch gut aus. In ein paar Jahren wird man ihn auch als etwas konservativ und langweilig beschreiben, jetzt passt er aber in das Stadtbild – ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Gut, ihm fehlt auch das s-line Paket.

Das in Turboblau lackierte Exemplar verfügt auch über das optionale s-line Paket, bei dem die Schweller tiefer, die Fake-Lufteinlässe an der Front größer und die Auspuffendrohr-Fakes am Heck mächtiger sind. Keine Frage: all das sieht gut aus, aber bei mir gilt immer noch das Prinzip: form follows function. Und nicht: „wir machen mal ein paar Flips und Einlässe und verkaufen es dann als Rennwagen“. Ok Audi, gut gemeint, aber bisschen schade, so viele zusätzliche künstliche Elemente zu schaffen, die etwas symbolisieren, was garnicht ist.

Designsprache vom Audi Q8 und A1

Die Front profitiert vom SUV-Kühlergrill der Marke in Sechskant-Optik, die auch der neue Audi Q8 hat. Das mag manchen aufstoßen, weil die Front einfach nur noch aus Kühlergrill besteht. Mir gefällt es. Es zeigt die Präsenz der Marke und ihrer Produkte, die an Selbstbewusstsein – trotz des derzeitigen Unternehmens- und PR-Desasters – nicht verlieren. Schließlich sind die Schlagzeilen über das gerade vonstatten gehende Produktfeuerwerk kleiner als die über das Unternehmen und die Verhaftung von Audi-Chef Rupert Stadler selbst.

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Neben dem Kühlergrill gibt es neu gestaltete Scheinwerfer, die jene Design-Philosophie der Scheinwerfer des neuen Audi A1 aufnehmen und in ein eher Offroad-übliches Design transferieren. Es sind nicht die schönsten Scheinwerfer, die ich je gesehen habe, aber sie sind okay. Sie könnten beim s-line Paket verdunkelt sein, aber den Aufwand wollte Audi dann wohl doch nicht treiben.

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Großartig ist die Blechausformung der Karosserie: extrem feine Karosserieelemente und Falze schmücken das Metallkleid. Sie bringen das Blech in eine Oberflächenspannung, die es nicht nur interessant für das menschliche Auge macht, sondern auch die Farben differenzierter erstrahlen lässt.

Extrem feine und filigrane Linien wurden in das Karosseriekleid des neuen Audi Q3 geprägt, um die Oberflächenspannung zu erhöhen. Die Lackarbeiten sowie Präzision der einzelnen Elemente ist phänomenal.
Extrem feine und filigrane Linien wurden in das Karosseriekleid des neuen Audi Q3 geprägt, um die Oberflächenspannung zu erhöhen. Die Lackarbeiten sowie Präzision der einzelnen Elemente ist phänomenal.

So wird der neue Audi Q3 einfach mächtiger, breiter, cooler. Die Seitenlinie profitiert – genau so wie der Innen- und Kofferraum – von der gewachsenen Länge. Er ist nämlich 4.485 Millimeter lang und überbietet seinen Vorgänger damit um 97 Millimeter. In der Breite hat er um 18 Millimeter auf 1.849 Millimeter zugelegt, ist mit 1.585 Millimetern aber 5 Millimeter flacher als die erste Q3-Generation. Der Radstand wurde um 78 Millimeter auf 2.681 Millimeter erhöht.

Das bisherige Problem-Heck ist auch endlich neu gestaltet und steht stämmiger auf der Straße – nicht nur mit s-line Paket. Die Massen wurden vom oberen Teil des Fahrzeugs ausgedünnt und auf den Körper des neuen Audi Q3 verschoben.

Mehr Kofferraum – endlich!

Bislang war das Kofferraumvolumen des Q3 eher unterdurchschnittlich im Segment. Auch das wird jetzt – unter anderem dank einer optional verschiebbaren Rückbank – anders. 

Je nach Position dieser bietet der Gepäckraum jetzt 530 beziehungsweise 675 Liter Volumen. Mit umgeklappten Lehnen sind es 1.525 Liter. Der Ladeboden lässt sich in drei Niveaus variieren, wobei die niedrige Ladekante von 748 Millimeter das Verstauen von schwerem Gepäck erleichtert. Wird die Hutablage nicht benötigt, findet sie unter dem Ladeboden Platz. Allerdings ist das Verstauen der Hutablage eine Fuzzelarbeit. Skoda hätte das Hundert Mal besser gemacht.

Interieur typisch Audi-Architektur

Kennen wir alle zur Genüge: das Interieur ist in der typischen Designsprache, wie auch alle anderen neuen Interieurs von Audi sind. Und die sind allesamt angenehm zu bedienen – die Qualität der Schalter, Taster und verbauten Elemente ist wie gewohnt erstklassig. Digitale Displays gibt es hier optional – die größten kosten richtig Geld, heben aber den Wiederverkaufswert des Autos enorm. Handschuhfach und unterhalb des Lenkrades ist halt alles Kunststoff, aber so ist es nunmal. Immerhin fühlt es sich ganz in Ordnung an.

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Audi Q3 in vier Motorisierungen

Zum Verkaufsstart liefert Audi den neuen Q3 mit vier Motorisierungen, drei TFSI und einem TDI aus. Ihre Leistungsspanne reicht von 110 kW (150 PS) bis 169 kW (230 PS). Alle vier Motoren sind Vierzylinder-Direkteinspritzer mit Turboaufladung. Partikelfilter gibt es jetzt auch für die Benziner.

Die Einstiegsmotorisierung bildet der 1,5 Liter-Ottomotor mit 110 kW (150 PS) und 250 Nm Drehmoment – Audi Q3 35 TFSI. Er kommt zum Verkaufsstart mit der Siebengang S tronic und Frontantrieb. Rasch darauf folgt der Sechsgang-Handschalter.

Der Zweiliter-Benziner im Audi Q3 40 TFSI hat 140 kW (190 PS) und entfaltet ein maximales Drehmoment von 320 Nm. Seine leistungsstärkere Version – Audi Q3 45 TFSI – verfügt über 169 kW (230 PS) und 350 Nm Drehmoment. Das ist zwar noch kein SQ3 oder gar RSQ3, aber schon ganz schön sportlich. Beide Motorisierungen sind serienmäßig mit der Siebengang S tronic gekoppelt und verfügen über permanenten Allradantrieb mit hydraulischer Lamellenkupplung.

Bei den Diesel-Motoren eröffnet das 2,0 Liter-Aggregat mit 110 kW (150 PS) und 340 Nm Drehmoment das Angebot. Der Q3 35 TDI ist zunächst mit manuellem Schaltgetriebe und Allradantrieb erhältlich. Wenig später kommt auch die Siebengang S tronic in Kombination mit Frontantrieb. Nach dem Marktstart erweitert ein 2.0 TDI mit 140 kW (190 PS) Leistung das Motorenprogramm.

Fazit zum neuen Audi Q3 (2018)

Kontrastprinzip: da der jetzt alte Q3 so unglaublich furchtbar ist, kommt der neue wie eine Erlösung des Messias. Breiter, flacher, länger – und somit bulliger und proportionierter. Die knallige Farbe, die großen Felgen und das s-line Paket kosten zwar (wahrscheinlich) richtig Geld, aber lohnen tut sich das in jedem Fall – wenn man ein Lifestyler und keine Krücke sein möchte.

 Bewertung Audi Q3 (2018) – STATISCH
 Optischer Eindruck  ++++
 Qualität Karosserie  +++++
 Lackqualität Karosserie  +++++
 Qualität im Interieur  +++++
 Sitzkomfort Cockpit  +++++
 Sitzkomfort Fonds  ++++
 Digitales Bedienkonzept  ++++
 Raumangebot  ++++
 Gesamteindruck Audi Q8 55 TFSI (2018)  ++++
   +++++ = Maximum

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 27 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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